Mein Restaurationsobjekt: Eine GS der ersten Stunde. Ein viertel Jahrhundert alt. Hier werde ich die Ergebnisse der Restaurierung dokumentieren und fallweise für die ausgeführten Arbeiten auf Joachims detailierte Seite verweisen.

der erste Eindruck

Patina und Rost wo man hinschaut. Ladenneu ist mein Anspruch.

bekannte Mängel

Tachowelle

Die Gummitülle über dem Tachotrieb schützt das Getriebe vor eindringendem Wasser. Bei Undichtigkeit droht Rost im Getriebe.

Zylinderfuss

Leichter Ölnebel am Zylinderfuß ist unkritisch. Solange sich keine Tropfen bilden, das Öl einfach nur gelegentlich wegwischen.

Spritzwasserablaufbohrung

Ölnebel an der Spritzwasser- ablaufbohrung ist ein untrügliches Zeichen für eine undichte Motorentlüftung.

Kupplungsglocke

Wenn sich an der Kupplungsglocke Öltropfen zeigen, müssen Getriebe und Kupplung ausgebaut werden, um den defekten Wellendichtring zu wechseln.

Stossstangen-Tuellrohre

Die Gummidichtungen der Stoßstangen-Tüllrohre verhärten bereits nach wenigen Jahren und werden dann undicht. Die Reparatur ist ziemlich aufwendig und nicht für Schrauber geeignet.

Vergaserdrosselklappe

Unruhiger Motorlauf oder Leistungsverlust können mehrere Ursachen haben: Bei ausgeschlagenen Drosselklappenwellen oder lockeren Schrauben der Drosselklappen zieht der Vergaser Falschluft.

Domdeckelverschraubung

Die Domdeckel-Verschraubung lässt sich oft nur sehr schwer öffnen, weil die Schrauben vergurkt sind.

Vergasermembran

Die Vergasermembran besser alle drei Jahre routinemäßig wechseln.

Luftfilter ölig

Bei einem öligen Luftfilter  ist die Motorentlüftung undicht. Dauerluftfilter besser vermeiden. Vorteile sind nicht zu erwarten. Hier fehlten die Ansaugschnorchel, in der Bucht für  €15,65 erstanden und wacker eingebaut.

die Vergaser aufarbeiten

Das Zerlegen der Vergaser war die richtige Entscheidung. Rückstände und ein aufgelöster Nullringe war das Ergebnis. 2 Dichtsätze für ca. € 20,00 sind fällig.

Der BING-Vergaser ist ein sehr formschönes Teil. Die Linienführung und Rundungen hätte Colanie nicht besser hinbekommen.

Tipp: Zahznreinigungstabletten wirken bei Messing ganz gut. Bei Aluminium (und daraus besteht der Vergaser primär) jedoch ist das Ergebnis katastrophal. Es läuft schwarz an und muss anschließend wieder mühsam poliert werden.

Sitzbank abpolstern

Der robuste Eindruck des BoGSer setzt sich bei der Sitzbank fort. Die ist auch nach 26 Jahren noch tip top. Für mich ist die GS aber insgesamt etwas zu hoch und somit werde ich diese bei meinem Sattler um die Ecke tiefer legen lassen. Da die Farbwahl der 90er Jahre (gelb und auch violett) heute doch etwas daneben gegriffen erscheint, werde ich sie auch gleich neu beziehen lassen.

Diese Arbeiten überlasse ich gerner einem Spezialisten. Weil ich dann sicher sein kann, dass es perfekt wird.

Ölwanne abdichten und aufarbeiten
schöne Patina

Die Oelwanne abzudichten mit den üblichen Papierdichtungen scheint ein Problem. In den Foren wird zu Silikonpaste (z.B. Dirko) mit und ohne Dichtung geraten. Ich mache hier keine Experimente und habe mir gleich eine Dichtung aus Silikon besorgt (20 €). Zuvor ist die Ölwanne aufzuarbeiten. Ich werde sie schleifen, polieren und mit Glasperlen strahlen. Dadurch wird die Oberfläche des Aluminiums verdichtet und bekommt ein seidenmattes Finish. Komplettiert wird die Ölwanne mit auf Hochglanz polierten Edelstahlschrauben.

Anmerkung von Joachim: Edelstahl V4A verwenden, dann gibt's auch kein Problem mit dem Aluminium.

 

Die Oxydschicht ist abgeschliffen. Eine Sauarbeit. Jetzt wird noch poliert und dann gestrahlt mit Glasperlen. Es wird sich zeigen ob der Aufwand lohnt.

Fertig gestrahlt. Ein Unterschied zu vorher ist deutlich zu erkennen. Saubere Oberfläche. Der Aufwand hat gelohnt.

Motordeckel/Lichtmaschinendeckel bearbeiten

Die Oberfläche des Motordeckels ist matt, rauh und grau fleckig. Oxydiertes Aluminium halt und kein schöner Anblick. Ich werde ihn schleifen, polieren und mit Glasperlen strahlen.

Motor + Getriebe ausbauen

Das Getriebe auszubauen ist kein Hexenwerk. Ich habe es nach einer Dokumentation (siehe nützliche Links) gemacht, die ohne spezielle BMW-Werkzeuge (wer hat die schon) auskommt. Lediglich die Kupplungsdruckstange, die beim Abziehen des Getriebes etwa 2 - 3 cm zum Vorschein kommt, bereitet etwas Fummelarbeit. Besonders dann, wenn man die Arbeit alleine bewerkstelligen will.

Auch mit einem kleinen Lastenkran ist der Motor alleine nicht raus zu bekommen. Erst zu Dritt war es möglich ohne BMW_Werkzeug den Motor aus den Rahmen raus zu holen. Ein eigens hierfür angefertigter "Rollwagen" soll den Motor beweglich machen.

Teile lackieren

Der Anlasserdeckel aus Alu war farblich nicht mehr gut in Schuss. Ich habe ihn matt-schwarz lackiert und das BMW-Zeichen mit Politur auf Hochglanz gebracht. Wenig Aufwand und große Wirkung wie ich meine. Den dahintergelegenen Luftfilterkasten, so wie den Kettenkastendeckel, werde ich ebenfalls farblich anpassen.

vorher/nachher

Paralever - der BMW-Kardan

Der Paralever (Erklärung Folgt) hat brav seit 25 Jahren seinen Dienst getan. Äußerlich schon ziemlich viel "Patina" angesetzt, wurde es dringend nötig ihn zu zerlegen. Das Innere zeigte einige wenige Stellen wo das Fett weg getrocknet war. BMW empfahl in seinem Werkstatt_Handbuch STABURAGS NBU 30 PTM als Schmier- und Lagerfett. Wird heute in Kleinstmengen von diversen Händlern zu horrenden Preisen vertrieben. Nach dem Entfernen der Patina (eine Sauarbeit) habe ich die Oberfläche mit einem metallischgrau farbigen Lack aufgehübscht. Sieht jetzt ladenneu aus. Den Bremshebel (oben rechts im Bild)  werde ich nun schleifen und auf Hochglanz polieren.

Räder einspeichen

Die Speichen sind matt und die Nippel angerostet. Hier kommen Edelstahl-Speichen/Nippel rein. Natürlich die mit den Kleeblatt. Materialkosten für Vorder- und Hinterrad ca. € 300,00. Den Preis für die Speichen werde ich überleben - und die Speichen wohl mich.

der Zusammenbau

Jetzt beginnt der schönste Teil der Aktion. Der Zusammenbau der aufgearbeiteten Teile. Allerdings gibt es mit dem Kabelbaum Probleme. Die originären Schaltpläne sind aktuell nur als Kopien von Microfichen zu bekommen. Schlechte Qualität und nicht farbig. Tyler von 2-ventiler.de Forum hat hier mal nachgearbeitet und recht brauchbare Pläne neu erstellt.

Äußerlich machte die Bremse schon einen gammeligen Eindruck. Innen sah es auch nicht besser aus. Gereinigt, lackiert,  Dichtungen mit technischer Vaseline eingerieben und den Bremsschlauch ausgetauscht durch eine Stahlflex von proBrake.

technische Daten
Motor  
Bauart Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor
Einspritzung Bing Gleichdruckvergaser, ∅ 32 mm
Kupplung Einscheiben-Trocken-kupplung
Bohrung x Hub 84,8 x 70,6 mm
Hubraum 798 cm3
Verdichtung 8,2:1
Leistung 37,0 kW (50 PS) bei 6500/min
Drehmoment 57 Nm bei 5000/min
Fahrwerk  
Rahmen Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Gabel Telegabel, ∅ 36 mm
Bremsen v/h ∅ 260/200 mm
Räder 1.85 x 21; 2.50 x 18
Reifen 3,00-21; 4.00-18
Maße und Gewichte  
Radstand 1465 mm∅
Lenkkopfwinkel 62,5 Grad
Federweg v/h 200/170 mm
Sitzhöhe 860 mm
Gewicht vollgetankt 196 kg
Zuladung 202 kg
Tankinhalt 19,5 Liter
Grundpreis 8290 DM (1980)
Messwerte  
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 6,1 sek
Durchzug 60-140 km/h 13,5 sek
Verbrauch Landstrasse 5,6 Liter
Reichweite 354 km